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Udo JÜRGENS

Interview, 10/2009: Udo Jürgens, Ich bin der Nachfahre von Johann Strauß

„Ich war noch niemals in New York“ kommt nach Wien
 
Pressekonferenz in Wien,  mit Kathrin Zechner
Foto: Renate Wagner
 
 
“Ich bin der Nachfahre von Johann Strauß”
 
Udo Jürgens bei der Pressekonferenz im Theatercafé des Theaters an der Wien
 
Aufgezeichnet von Renate Wagner
Kathrin Zechner hätte ja schon vor Jahren, sagt sie, die Idee eines „Udo-Jürgens-Musicals“ gehabt. Gleich nach der Übernahme der Musical-Intendanz der Vereinigten Bühnen hat sie angefragt – und kam knapp zu spät. Die holländische Firma „Stage Entertainment“ war schneller gewesen. Seit Dezember 2007 läuft „Ich war noch niemals in New York“ nun im Hamburger Operettenhaus, verzeichnet schon über eine Million Besucher  und kurbelt auch den Wochenendtourismus nach Hamburg enorm an. Wunschträume für Wien, wo nach einer „goldenen Ära“ das Musical nur noch vor sich hintümpelt. Das soll anders werden, wenn Udos Werk am 17. März 2010 im Raimundtheater Premiere hat.
 
 
Udo über seine „Rückkehr“ nach Wien
 
Das ist für mich ein unglaublich emotionaler Moment. Schließlich habe ich 1971 oder 1972, ist ja eh wurscht wann, mein erstes Musical „Helden, Helden“ [Uraufführung war 1973, Anm.] für das Theater an der Wien geschrieben. Das war ein großer Erfolg, als man vom Musical noch gar nicht so viel wusste – und nicht ahnte, dass auch in Wien die Musical-Kultur so wichtig werden würde. Damals war ich relativ jung und in einem neuen Metier, jetzt kehre ich damit zurück. Dabei habe ich persönlich gar nicht ich daran gedacht, ein Musical zu meinen vorhandenen Liedern dazu schreiben zu lassen – dass sie so populär sind und dafür geeignet, auch im Rahmen einer Bühnenhandlung zu bestehen, ist natürlich wunderbar.
 
Wird „Ich war noch niemals in New York“ in Wien anders aussehen als in Hamburg?
 
Die Hamburger Aufführung, die schon über eine Million Besucher hatte, läuft ja weiter. In Wien wird es eine eigene Inszenierung mit leichten Abweichungen geben. Die Modifizierungen betreffen natürlich auch die Figuren. In meinem Stück gibt es keine Fantasy-Gestalten, sondern richtige Menschen, ganz normale Leute mit den Problemen, die sie mit Eltern und als Eltern haben. Es ist ein Drei-Generationen-Stück. Die Handlung auf dem Schiff ändert sich nicht, auch Österreicher gehen auf ein „Traumschiff“, aber in den Figuren und einzelnen Elementen kann man auf Österreich eingehen.
 
Wird Udo Jürgens sich an der Wiener Aufführung beteiligen?
 
Noch bin ich ja mit meiner Tournee unterwegs, aber ab Dezember stehe ich zur Verfügung. Ich möchte unbedingt schon bei dem Casting dabei sein, nicht dreinreden natürlich, aber als Berater tätig sein. „Ich war noch niemals in New York“ ist ein Stück, das ausgezeichnete Schauspieler braucht, die auch gute Sänger sind – mit Sängern, die nicht exzellent spielen können, geht es nicht, da käme es nicht über die Rampe. Andererseits sind für mich Castings immer auch schmerzhaft, weil man ja doch nur wenige nimmt und mir jene, die man nach Hause schickt, so schrecklich leid tun.
 
Wie funktionieren Udo-Songs ohne Udo?
 
Niemand, der meine Lieder singt, soll mich kopieren. Das war schon bei der Hamburger Aufführung klar, und das Problem haben wir schon dort gelöst, indem wir „gegen den Typ“ besetzt haben. Das Hauptlied wird von einer „Oma“ gesungen und ‚Mit 66 Jahren’ von einem zwölfjährigen Jungen, der in Hamburg allabendlich Jubelstürme erntet. Für den Zwölfjährigen brauchen wir auch hier in Wien einen bombastisch begabten Jungen, nein, eigentlich drei, weil ja Kinder nicht jeden Abend spielen dürfen – aber ich bin sicher, dass wir sie alle drei finden werden.
Denkt Udo Jürgens an ein weiteres Musical?
 
Sicher fände sich in dem reichen Reservoire meiner Songs noch genügend Material für ein weiteres Stück. Aber ich weiß es nicht genau, man hat ja nicht mehr so viel Zeit. Aus England ist jetzt Interesse an „Helden, Helden“ laut geworden, weil das Werk schließlich auf dem wunderbaren Stück von George Bernard Shaw beruht. Ich weiß nicht, ob das geht, man müsste gewaltig daran arbeiten.
 
Udo und die „Musikstadt“ Wien
 
Seit ich als Siebzehnjähriger erstmals von Kärnten nach Wien kam, weil ich damals einen Kompositionswettbewerb gewonnen hatte, habe ich die Stadt immer im Zusammenhang mit Musik besucht. Aber nicht die „Musikstadt“ der Staatsoper, sondern jene der Unterhaltungsmusik. Ich sehe nicht ein, warum dieses Genre hierzulande belächelt werden sollte. In New York lächelt die Metropolitan Opera keineswegs über den Broadway, sondern weiß, dass „E“ und „U“ sich ergänzen. Man lernt ja auch von einander. Muss man immer in der Oper einschlafen, kann man bei den Inszenierungen nicht auch etwas von den Musicals lernen? Ich glaube, Wien sollte sich seinen Rang als „Unterhaltungs-Musik-Stadt“ zurückerobern. Und Leute wie ich, die diese Musik schreiben, sind schließlich die Nachfolger von Johann Strauß und Franz Lehar!
 
 Foto: Renate Wagner

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