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WIEN / Leopold Museum: WOLKEN

 

 

WIEN / Leopold Museum:
WOLKEN. Welt des Flüchtigen
Vom 22. März 2013 bis zum 1. Juli 2013 

Wolken, Dampf, Rauch, Qualm … Tod

 Wieder hat das Leopold Museum – nach dem überdimensionalen Erfolg mit den „Nackten Männern“ – auf eine Themen-Ausstellung gesetzt, wobei die „Wolke“ den Besucher in den (hoffentlich irgendwann erscheinenden) Frühling und dann durch den Sommer hindurch begleiten soll. Allerdings hat man die „Welt des Flüchtigen“ nicht nur von der idyllischen Seite her betrachtet (wofür das 19. Jahrhundert noch vielfach zuständig war), sondern bis zu den Atompilzen herauf geführt. Immerhin besteht der Anteil der Gegenwart auch aus einer amüsanten Wolken-Paraphrase eines Andy Warhol.

Von Heiner Wesemann

Aber die Wolke…   Es war Elisabeth Leopold, die bei der Pressekonferenz zur „Wolken“-Ausstellung des Leopold Museums (zu der sie einiges aus Privatbesitz beitragen hat, darunter einen „Odysseus“ von Romako, ein ihrer Meinung nach unterschätzter Maler) ein Gedicht vortrug. Bert Brecht schrieb 1920 mit „Erinnerung an die Marie A.“ wohl die schönste literarische Fixierung einer Wolke („Und über uns im schönen Sommerhimmel / War eine Wolke, die ich lange sah / Sie war sehr weiß und ungeheuer oben / Und als ich aufsah, war sie nimmer da.“) An das Mädchen, das er damals küsste, erinnerte er sich kaum noch, gewiss nicht an ihr Gesicht. Aber die Wolke… Ja, die Wolke!

Ein Thema für sich     Es war, wie Tobias Natter, der künstlerische Direktor des Leopold Museums offen gestand, ursprünglich an eine Landschafts-Ausstellung gedacht worden. Landschaften, das unerschöpfliche Thema der Kunst. Aber – schon wieder Landschaften? Nachdem man mit den „Nackten Männern“ gezeigt hatte, wie sehr das Haus für das Besondere steht? Und dann kam die Idee, nach den Wolken zu fragen, die doch mehr sind als nur ein kleines dekoratives Element am Himmel. Und man konnte sich nur wundern, in welch reichem Ausmaß man fündig wurde. Wieder (wie bei den “Nackten Männern”) begann man mit 1800 – und führte die Fragestellung herauf  bis heute. Wobei die Impressionisten (wie etwa Monet) die Wolke als ein „stimmungsbildendes“ Element von vielen einarbeiten, der Historismus (wie besagter Romako) mit der Wolke zur dramatischen Stimmung beitragen. In jedem Fall ist das Thema hier ziemlich ausschließlich positiv besetzt, und die Ausstellung kann auf dieser Ebene mit besonders großen Namen prunken, auch Constable und Turner wurden hier mit Meisterwerken nach Wien gebracht.

 

Weiter gedacht     Aber Natter und sein Co-Kurator Franz Smola haben nicht nur die ornamental stilisierte Wolke (von Munch bis zu den Secessionisten) berücksichtigt, die schon nicht mehr so freundlich ist, das Gewitter in durchaus bedrohlichen Formen (darunter bei Klimt!), die „absurde“ Wolke (Magritte), sondern auch die „künstliche“ Wolke – den Dampf der Eisenbahnen, den Rauch aus Fabriksschloten, den Qualm des letalen Vulkanausbruchs und endlich, vor allem auf Fotos, die Atompilze. Die Variation eines solchen mag unter den „fiktiven Wolken“ dann als Installation von Dietrich Wenger erscheinen, Playhouse genannt, rätselhaft in der Vielschichtigkeit, in der das Werk interpretiert werden kann. Aber die Wolke…

 

Schallplattencover – eine Fundgrube     Man hat im Leopold Museum bei der Klimt-Ausstellung ein Gestaltungselement benützt, das sich sehr bewährt hat – als Gliederung der Räume, als Konrast-Akzent. Damals ließ man in schmalen Vitrinen Dokumente durch die Räume „laufen“ . Diesmal beinhalten sie unter dem bezeichnenden Schlagwort „Klangwolken“ Schallplatten-Cover – und man sollte gar nicht glauben, in wie vielen Fällen Klassik bis Pop mit Hilfe von Wolken-Motiven verkauft wurde. Schade, wie Natter meinte, dass es so etwas wie Schallplatten nicht mehr gibt: Für graphisches Design waren die Hüllen eine wahre Herausforderung.

  

Vielfalt    Man ist zurecht stolz auf die Reichhaltigkeit des Gebotenen, zumal das Thema der „Wolke“ in der Kunst noch nie so ausführlich behandelt wurde wie hier. Mit dazugehörigen Zitaten nahm man sich ebensolche Mühe wie mit der Vielfalt der Ansatzpunkte – auch sich bewegende Live-Wetterkarten aus der Hohen Warte finden sich hier in Konkurrenz mit den größten Namen der Kunst (Caspar David Friedrich zum Beispiel), die Fotografie spielt eine ungewöhnlich große Rolle – und am Ende hat man noch einen wahren Clou zu bieten, der das zeitweise recht beklemmend gewordene Thema zur alten Leichtigkeit zurückführt: die „Silver Clouds“ des Andy Warhol schweben als federleichte Silberpolster, von einer Windmaschine in Bewegung gehalten, durch einen eigenen Raum. Sie fordern der Besucher auf, „interaktiv“ zu sein, das Berühren ist erlaubt, und man kann sich kaum der Versuchung erwehren, hier „mitzuspielen“. Aber die Wolke – man hat einen künstlerischen Kosmos ausgeschritten.

  

Bis 1. Juli 2013, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr. Katalog im Hatje Cantz Verlag

 

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