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WIEN/ Musikverein: JONAS KAUFMANN IM GOLDENEN SAAL

Musikverein-Großer Saal

HINREISSENDER JONAS KAUFMANN-LIEDERABEND IM GOLDENEN SAAL             ( 13.2.2012)

Der Ansturm war enorm, der Goldene Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Die „elektrische Aufladung“für jeden im Saal spürbar. Jonas Kaufmann punktet  auch mit einem anspruchsvollen Lieder-Programm mit Werken der  Komponisten  Franz Liszt, Gustav Mahler, Henri Duparc und  Richard Strauss. Sein Partner am Klavier ist Helmut Deutsch – ein idealer Pianist, kernig, emotional und technisch perfekt. Er ist alles andere als ein  „Begleiter“ – er bewährt sich  als  „Gegenspieler“ und garantiert  maßgeblich  das hohe Niveau des Abends. Und Jonas Kaufmann ? Der Lockenkopf  tritt fröhlich auf, erweist sich rasch als  draufgängerisch und wortdeutlich  und beweist binnen  kurzem, dass der derzeit beste  Lohengrin und  Don José, Siegmund  und  Des Grieux auch  mit einem Repertoire zu Recht gefeiert wird, das früher einmal  nur Superstars wie Jessey Norman oder Christa Ludwigerfolgreich  in großen Sälen zum Besten geben konnten. Am Beginn also – als Nachtrag zum Liszt-Jahr – Lieder  wie „Vergiftete sind meine Lieder“ von Heinrich Heine, „Es war ein König in Thule“ von Johann Wolfgang Goethe  oder „Die drei Zigeuner“ von Nikolaus Lenau, Jonas Kaufmann spielt alle seine Möglichkeiten aus. Selbst das etwas manieristische Piano und allzu gedeckte Mezza-Voce: hier wird’s zum eindrucksvollen Stilmittel. Doch wie in der Oper – pure, uneingeschränkte Begeisterung löst   erst das strahlende Fort, der Klang der Tessitur rund ums hohe  A,B, H aus. Und diesen Bonus spielt Jonas Kaufmann im Laufe des Abends immer öfter aus. Etwa bei den Rückert-Liedern von Gustav Mahler – vor allem beim „Um Mitternacht“, dann beim Franzosen Henri Duparc ( 1848 – 1933), dessen diesmal interpretierten spätromantischen  Lieder aus den 80er Jahren des 19.Jahrhunderts stammen und bei Richard Strauss, von dem eine Auswahl von „Schlechtes Wetter“ (Heine) bis „Heimliche Aufforderung“(John Henry Mackay)  und Cäcilie (Heinrich Hart) gegeben ist.

 Das Publikum ist längst in Ekstase, erklatscht fünf  Zugaben, darunter die obligate  „Zueignung“ von Richard Strauss – und als Reverenz auf Wien:“Dein ist mein ganzes Herz“- so stimmschön, so heldisch und doch sein einfühlsam haben diesen Lehar-Schlager nicht einmal die „Drei Tenöre“ gesungen. Jonas Kaufmann ist drauf und dran, sich in der Super-Liga zu positionieren. Auch das  mit Liszt, Mahler und Strauss. Und im Nachspann mit Franz Lehar. Der Liederabend im Goldenen Saal war jedenfalls hinreißend.

Peter Dusek

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