WIEN/ Staatsoper: NABUCCO

WIEN/ Staatsoper:  „NABUCCO“ am 4.12.2011

 Ein Abend der Debüts und Erkältungen.

Vor Beginn des ersten Aktes bat Maria Guleghina um Nachsicht  Sie zog mit Routine und größter Disziplin alle Sympathie des Publikums an sich, völlig zu recht, gut gemacht!  Der zweite „Angeschlagene“ im Bunde war der Hausdebütant Konstantin Gorny, den es in der Pause überfiel. Aber dennoch war seine Leistung sehr überzeugend. Der beste Zaccaria, den die Staatsoper bisher hatte (sind ja nicht sehr viele, weil dies die erste Produktion der Staatsoper ist). Eine wunderbare schwarze Bassstimme, wie man sie nur selten findet. Ich wünsche den beiden Künstlern, die sich perfekt durch den Abend kämpften, baldige Genesung.

Die „Gesunden“: In der Titelrolle gab es ebenso ein Hausdebüt. George Gagnidze sang mit strömend schönen Bariton und  großer Durchschlagskraft einen sehr menschlichen Nabucco. Ganz besonders hervorzuheben sind die große Arie im dritten Akt, sowie das Duett mit Abigaille. Schauspielerisch macht er sicher nichts falsch, was soll man bei diesem Konzept schon groß gestalten. Dass man alle mit privaten Frisuren losschickt, ist nicht immer günstig. Herr Gagnidze hat einen solchen “O/8/15 , mittleres Reindl”- Haarschnitt, eine Perücke würde da Wunder wirken. Sehr positiv fiel auch das Rollendebüt von Ho-yoon Chung als Ismaele aus. Er singt wirklich Verdi, bemüht sich um Schmelz, phrasiert sehr richtig, spielt nett bemüht um die Königstochter Fenena. Sein Timbre ist nicht vom Feinsten (Stimmen sind Geschmackssache), aber er ist ein sehr guter Sänger. 

 Rachel Frenkel war erstmals Fenena und sang ihre kleine Arie sehr ordentlich. Im Terzett des ersten Aktes schienen die Nerven doch noch mitgespielt zu haben. Der Baalpriester war auch ein RD, Il Hong fiel wie seine Vorgänger nicht auf. Carlos Osuna war der treue Abdallo und Elisabeta Marin erfreute mit schönen Höhen als Anna.

 Die großen Chorszenen  waren wieder vom Feinsten. Ein Extralob an den Chor unter Thomas Lang.

Am Pult stand Michael Güttler und drosch in die Fortestellen, was das Blech hergab. Ebenso wie bei Rossini im November, bestätigte er meine Meinung wieder, wenig Gefühl für die Musik zu haben. Das Orchester spielte im Grunde sehr schön, besonders die großen Cellisoli waren ein Genuß.

Ich glaube nicht, das alle kleine Stimmen haben, die auf der Bühne stehen, aber es gibt immer mehr Dirigenten, die „reinhauen was das Zeug hält“.  Die Instrumente werden immer kräftiger, die Stimmbänder bleiben im menschlichen Hals immer physiologisch gleich.

Die Inszenierung dieser Oper kann sich nie abnützen, denn was es nicht gibt, kann man nicht abnützen.

 Elena Habermann  

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