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WIEN/ Theater a.d.Wien: IOLANTA/ FRANCESCA DA RIMINI – Premiere

Theater an der Wien

IOLANTA/FRANCESCA DA RIMINI: ERST NACH DER PAUSE GROSSE OPER (19.Jänner 20012)


Francesca da Rimini: Olga Mykytenko, Saimir Pirgu. Foto: Barbara Zeininger

  • Erst nach der Pause – bei der Rachmaninow-Version der Francesca da Rimini-Vertonung –  kommt jene packende  Stimmung auf, für die das Theater an der Wien unter Roland Geyer zum Markenzeichen wurde: musikalisch auf höchstem Niveau   modernes  Regietheater  samt modernem  Bühnenbild bringen. Diesmal werden von  Stephen Lawless und Benoit Dugardyn  -ein zeitgemäßer, heutiger Zugang zu Stoffen geliefert, die doch schon Jahrhunderte zurückliegen. Die Peter Iljitsch Tschaikowski-Oper Iolanta spielt im mittelalterlichen Burgund. König René schirmt seine blinde Tochter Iolanta so ab, dass sie über ihren  Geburtsfehler gar nichts weiß. Als Graf  Gottfried  – großartig der  fesche Albaner Saimir Pirgu (eine nachhaltige Holender-Entdeckung) – der blinden Prinzessin Iolanta ihr Geheimnis enthüllt, droht das Ganz zur Tragödie zu kippen. Doch Ende gut – alles gut und„wenn sie nicht gestorben sind..“.  Die Regie versucht russische naive Malerei  als „running gag“ auf die Bühne zu bringen; das RSO-Orchester unter Vassily Sinaiskybeweist seine stilistische Breite auf Höchstniveau.  Und dennoch – der Punkt der Verzauberung will sich nicht und nicht einstellen. Vielleicht war auch die Nähe zur Salzburger Iolanta, die im Vorjahr bei einer konzertanten Version mit Anna Netrebko  einen Super-Erfolg hatte, ein unlösbares Handicap. Wie berührend im Großen Festspielhaus  die Szene, wenn Iolanta  ihre Blindheit im Liebesduett mit Gottfried entdeckt. Im Theater an der Wien war Olga Mykytenko in dieser Rolle aufgeboten; eine ordentliche Sängerin ohne Charisma, ohne  „Geheimnis“ – eine tadellose Leistung – nicht mehr,  aber auch nicht   weniger. Neben dem Liebespaar  fallen positiv auf: Dalibor Jenis als Herzog Robert, Dmitry Belosselsky als stimmgewaltiger Vater  König René sowie Vladimir Baykov als Betrand. Nach der Pause eine zeitgemäße Deutung von Dantes Inferno – Im zweiten Höllenkreis begegnet man dort Francesca und Paolo, deren verbotene  Liebe beim Bücherlesen beginnt (die wahren Abenteuer sind im Kopf!).  Opernfreunde konnten die gleichnamige Oper von Riccardo Zandonai  zuletzt in Bregenz kennenlernen. Doch hier im Theater an der Wien siegt Sergej Rachmaninow. Das ist packende Musik, die unter die Haut geht. Die moderne Deutung von Dantes Inferno erzeugt Betroffenheit. Und diesmal ist auch das Liebespaar viel authentischer. Star des 2.Teils ist einmal mehr Saimir Pirgu als Paolo – die Stimme hat Glanz,Kraft und Lyrik – ein Bilderbuch-Tenor,  Olga Mykytenko verführt  etwas bieder als Francesca, Dmitry Belosselsky wütet stimmgewaltig als betrogenen Ehemann , und Ladislaus Elgrist ein würdiger Dante.Die Regie deutet Dantes Inferno als modernen Archipel  Gulag. Zuletzt Jubel für die Solisten, den  Schönberg-Chor, für das ausgezeichnete RSO-Orchester und  für den Dirigenten  Vassilly Sinaisky( der   kurzfristig Kiril Petrenko ersetzen musste).. Die Erfolgsgeschichte des Theaters an der Wien ist zumindest  um ein halbes Kapitel reicher.
  • Peter Dusek

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