WIEN/ Villa Wertheimstein: FASCHINGSKONZERT DES MERKER-KUNSTSALON
Villa Wertheimstein/ Merker – Kunstsalon 20.2.2012
FASCHINGSKONZERT: Edelwurzen und ewig Gestrichenes
Um eines gleich vorweg zu nehmen: So richtigen Schenkelklopferhumor, so wie man sich den von einer Faschingsveranstaltung fälschlicherweise erwartet, den kann mit mit klassischer Musik – auch mit der Oper – nicht erzeugen. Wir Opernfreunde müssen, aber eigentlich sollten wir sagen: dürfen uns da mit einem heiteren Schmunzeln oder mit kurzem, fast schon verinnerlichtem Lächeln begnügen. Lustigkeit selbstverständlich, Fröhlichkeit ja, aber keine allzu ausgelassene.
In diesem Sinne konnten wir uns an diesem Abend im Merker-Kunstsalon bestens unterhalten fühlen: bei Stefanie Kopinits mit der von süssem Liebesschmerz geplagten Marzelline aus dem Rossinischen “Barbier” oder mit der Erzählung der Mirabella aus dem “Zigeunerbaron” über ihre Erlebnisse in der Schlacht um Belgrad, wo eine Kanonenkugel ein Liebesabenteuer mit einem Pascha verhindert. Und mit noch etwas aus dem “Zigeunerbaron”, dem Walzerlied der Arsena “So voll Fröhlichkeit”, in welchem sie Wien besingt. Dazu noch mit der Mozartschen Marzelline aus dem “Figaro”, in deren selten gehörter Arie sie sich über die Untreue der Männer beklagt.
Pablo Cameselle, der in Wien lebende argentinische Tenor, eröffnete den Abend mit einer Kanzone in der italienischen Manier, beklagte sich als Don Basilio aus dem “Figaro” von Mozart über seine unterwürfigen Stellung, versuchte als Trabuco aus der Verdi´schen “Macht des Schicksals” die Soldateska mit seinen Geschäften ums Ohr zu hauen, ließ als Fischer im “Guglielmo Tell” von Rossini mit seinem Lied aufhorchen, ebenso mit dem Couplet “A cette fetes conviés” des Triquet aus dem “Eugen Onegin”. Zuletzt zeigte er mit seinem schlanken, höhensicheren, in seinem Timbre etwas herben Tenor sein ganzes fulminantes Können mit der koloraturengespickten Arie “Cessa di piu´ resistere” des Conte Almaviva aus dem “Barbiere” und begeisterte den vollen Saal damit aufs höchste.
Den Vogel im Sinne karnevalesker Komödiantik schoß natürlich Andrea Martin mit seinem wohlklingenden Charakterbariton als Salierischer Falstaff, als Melitone aus der “Forza” mit der Suppenszene und der Kapuzinerpredigt und mit einem italienischen, dem Filmschauspieler Totò zugeschriebenen Chanson ab. Köstlich sein im perfekten Buffostil grantelnder Mönch im Gegensatz zu dem italienischen Gigolo.
Manfred Schiebel zeigte sich an diesem Abend als kompetenter Begleiter am Klavier und brachte zusammen mit der Flötistin Isabella Sommer und dem Cellisten Michael Jurecka Musik aus dem Meyerbeer`schen “Robert, der Teufel” in der Chopin-Fassung, Rossinis Tell-Ouvertüre und das Scherzo für Flöte, Cello und Klavier von Weber.
Fritz Bruckner führte mit verbindenden Worten launig durch den Abend, humorvoll und gerade noch ein Stolpern über den Bart seiner Witze vermeidend. Es ist ja Fasching.
Peter SKOREPA
Diese Seite drucken
|