Der Neue Merker

WIEN / Winterpalais: PRINZ EUGEN VON SAVOYEN – 350 JAHRE

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WIEN / Winterpalais des Prinzen Eugen:
PRINZ EUGEN VON SAVOYEN – 350 JAHRE
Eine Ausstellung des Belvedere
Vom 18. Oktober 2013 bis zum 27. April 2014 

Lasst Räume sprechen!

 Eugen Winterpalais Saal 2

Vor mehr als drei Jahren, im Februar 2010, hat das Belvedere Prinz Eugen von Savoyen eine Großausstellung gewidmet, damals ohne Jahrestag, einfach um den Mann zu ehren, in dessen „Sommerresidenz“, dem Belvedere, das Museum residiert. Heuer jährte sich der 350. Geburtstag des am 18. Oktober 1663 in Paris geborenen Savoyers. Und nun hat das Belvedere ein Desideratum erfüllt: Das Winterpalais des Prinzen, in dem das Finanzministerium sehr prunkvoll „wohnt“, wurde seit immerhin einem Dutzend Jahren in seinen Prunkräumen saniert und jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Derzeit mit einer ebenso schlichten wie großzügigen Ausstellung, die die immerhin 1500 Quadratmeter umfassenden Räume selbst in den Mittelpunkt stellt. Künftig als Schauplatz weiterer Belvedere-Ausstellungen. Faktum ist – mögen auf anderen Etagen des Hauses die Finanzbeamten ihrer Tätigkeit nachgehen, die Beletage des Prinzen Eugen ist künftig als eindrucksvolles Beispiel hochbarocker Ausstattungskunst immer der Öffentlichkeit zugänglich.

Von Heiner Wesemann

Die hässliche Erbin     In einem der Räume starrt die überlebensgroße Wachsbüste der doch erschreckenden Prinzessin Viktoria dem Besucher entgegen. Sie war Eugens Nichte und einzige Erbin des unverheiratet Gebliebenen, der das Prunkbett (im Blauen Salon aufgestellt) wohl kaum mit Damen geteilt hat. Sie hatte – für die Nachwelt: glücklicherweise – nichts anderes im Sinn, als die geerbten, schier unfassbaren Besitztümer des Onkels so schnell wie möglich zu verkaufen. Leider ging die Bildersammlung Eugens nach Turin, die Heimat der Savoyer, aber die Habsburger kauften Eugens Paläste und seine Bibliothek, und die Republik ist heute glücklicher Erbe: der Bücher, die einen großen Teil des Reichtums der Nationalbibliothek ausmachen, des Schlosses Belvedere, des Winterpalais’ in der Himmelpfortgasse, wo Prinz Eugen am 21. April 1736 starb.

  Belvedere Prinz Eugen Olympia Mancini xxwinterpalais_Erbin 
Die Mutter                                                                     Die Nichte

Das Winterpalais   Dass man durch Kriegführen – allerdings durch permanentes Siegen! – reich werden kann, ist am Beispiel des Eugen von Savoyen zu ermessen. Er war etwas über 30 und kaiserlicher Feldmarschall, als er schon erste Gebäude in der Himmelpfortgasse erwerben konnte. Kein Geringerer als Johann Bernhard Fischer von Erlach begann bald mit dem Bau eines gewaltigen Palais, das im Lauf der folgenden Jahrzehnte mehrere Erweiterungen erfuhr, die dann Johann Lucas von Hildebrandt ausführte. Womit die führenden Barockarchitekten ihrer Epoche in die Entstehung dieses außerordentlichen Gebäudes involviert waren.

Eugen Winterpalais Aussenfassade x

Die Innenräume    Prinz Eugen ließ sein Piano Nobile von führenden italienischen Künstlern ausstatten, und auch heute geht man noch mit Staunen durch die Pracht, die sich durch erlesenen Geschmack auszeichnet. Die Ausstellungsgestalter des Belvederes (Kurator Georg Lechner) haben jedem Raum einen inhaltlichen Schwerpunkt verliehen, ohne ihn je mit Objekten zu überladen – man lässt das Innere des Hauses als solches wirken mit seinen Deckengemälden, Tapeten (ihre Farbe gibt den einzelnen Räumen gelegentlich den Namen – roter, gelber, blauer, grüner Salon), Supraporten, Tapisserien. Manche Themen ergeben sich von selbst, wie etwa in dem großen Schlachtenbildersaal, wo sieben riesige, die ganzen Wände bedeckenden Ölgemälde von Jacques-Ignace Parrocel zu sehen sind, die von Eugens Siegen zeugen. Tatsächlich hat er nicht nur Habsburg, sondern damals ganz Europa vor der Türkengefahr gerettet.

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Durch die Biographie     Ein Bildnis von Eugens Mutter, der durch ihre Launen bekannten Olympia Mancini, verweist auf seine Jugend. Vielleicht war es die unliebsame Erinnerung an diese Dame, die einst seine Mätresse gewesen war, die Frankreichs König Ludwig XIV. so unfreundlich reagieren ließ, als deren kleinwüchsiger (nur 1,50 Meter großer) Sohn ihm seine Dienste anbot. Der Sonnenkönig ließ ihn ziehen und hat es später unendlich bereut: Denn so kam Habsburg zu dem besten Feldherrn, den das Haus je hatte, und Eugen führte (nach den Türken) durchaus auch gegen die Franzosen Krieg… Viele Gemälde zeigen im Lauf der Räume Eugen selbst, nicht nur im Prunkgewand des Goldenen Vlieses (der dazugehörige Prunkmantel ist zu sehen), immer wieder auch als siegreichen Feldherrn. Am Ende des Rundgangs durch Eugens Leben, der mit vielen Gemälden auch von Zeitgenossen bestückt ist, steht sein Tod, die Aufbahrung, die Gedenkstücke, Briefe mit eigenhändiger Unterschrift.

Kämpfen und leben      Prinz Eugen von Savoyen verstand es zu kämpfen, aber es war nicht sein Lebensinhalt. Er verstand auch zu leben, seine nie nachlassenden Ambitionen als Bauherr und Sammler zeigten es, stets galt es, Neues zu erfahren, Neues zu suchen, Neues zu finden und zu besitzen. Das Winterpalais und das Belvedere haben nicht gereicht, seine Schätze zu horten, noch mit über 60 erwarb er das Schloß im Marchfeld, Schloßhof, zu seinen übrigen Besitzungen.

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Spezialinteresse: Natur    Das Belvedere erweitert die Ausstellung im Winterpalais durch zwei Räume im Belvedere selbst, die sich der „Menagerie des Prinzen“ widmen. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte die Welt den Menschen noch Neues, Staunenswertes zu bieten, seltsame Tiere und Pflanzen, die ebenso zum Gegenstand des Interesses wurden wie Kunstwerke. Des Prinzen „Live“-Menagerie im Garten des Belvederes war das Erstaunen der damaligen Zeit, aber er ließ auch viele Bilder durch einen der damals führenden Tiermaler (Philipp Ferdinand de Hamilton) gestalten. Beispiele davon sowie von dem so originellen wie faszinierenden „Menageriewerk“ des Salomon Kleiner finden sich hier, ergänzt von Tierpräparaten, die das Naturhistorische Museum beisteuerte. (Nur ein Schritt ist es von diesem Ausstellungssaal zu dem Eckkabinett, wo das Belvedere seine Messerschmidt-Büsten zeigt, die man bei dieser Gelegenheit unbedingt “mitnehmen” sollte.)
Diese Sonderausstellung ist bis 2. Februar 2014 zu sehen.

Winterpalais, Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien,
täglich 10-18 Uhr.
Ein Kombiticket für das Winterpalais und Oberes und Unteres Belvedere wird zum Preis von 25 € angeboten.

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